Pressemitteilung der KZV M-V

Weitere deutliche Verbesserung der Mundgesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Mecklenburg-Vorpommern

Schwerin, 06.07.2005 - Die Mundgesundheit der Kinder und Jugendlichen in Mecklenburg-Vorpommern hat sich auch in den vergangenen vier Jahren deutlich verbessert. Die Auswertung durchgeführter epidemiologischen Begleituntersuchungen zur Gruppenprophylaxe belegt einen statistisch signifikant anhaltenden Trend des Rückgangs in der Kariesverbreitung.

Der DMF-T-Index, der die Summe der kariösen, gezogenen und gefüllten Zähne ermittelt, lag im Jahr 2004 für 12 - 13jährige Kinder bei 1,42. Damit wurde der von der WHO geforderte Wert (kleiner 2 DMF-T) in Mecklenburg-Vorpommern deutlich unterschritten. Bedenkt man, dass dieser Wert 1985 (Untersuchungser-gebnisse aus den drei ehemaligen Nordbezirken der DDR) bei 4,8 DMF-T lag und 1995 noch 3,5 DMF-T sowie 2000 1,95 DMF-T betrug, ist diese Entwicklung umso beachtlicher.

Bei den 6-7-Jährigen konnte ebenfalls ein Kariesrückgang verzeichnet werden. Der Anteil der Schulanfänger mit kariesfreien Milchzähnen stieg von 20 % im Jahr 1995 über 36,2 % im Jahr 2000 auf 42 % im Jahr 2004.

Wie bei den vorausgegangenen Untersuchungen musste jedoch auch 2004 eine deutliche Polarisation des Kariesbefalls festgestellt werden. So sind ca. 20% der 5 – 6-jährigen eindeutig  der Gruppe mit hohem Kariesrisiko zuzuordnen. Ein Zusammenhang mit dem sozialen Status dieser Kinder ist nachweisbar.

Auch wenn die gesamte Entwicklung des Kariesgeschehens in Mecklenburg-Vorpommern sehr positiv einzuschätzen ist, so stellen noch verstärkt die Karies-Risikogruppen die größte Herausforderung dar. Gruppen- und Individualprophylaxe gilt es auch in Zukunft vermehrt auf diese Zielgruppen auszurichten.

Auch wenn in Mecklenburg-Vorpommern im nationalen oder internationalen Vergleich bezüglich der Kariesverbreitung noch keine Spitzenposition erreicht werden konnte, so hat sich der Abstand zu den führenden Ländern doch deutlich verringert.


Für Rückfragen:

Dr. Manfred Krohn
Öffentlichkeitsarbeit im Vorstand der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern
Bei der Marienkirche 24
18055 Rostock
Tel.: 0381 / 49 34 341
Fax: 0381 / 45 82 485
E-mail: dr.manfred.krohn@t-online.de


Kerstin Abeln
Kassenzahnärztliche Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern
Wismarsche Straße 304
19055 Schwerin
Tel.: 0385 / 54 92 103
Fax: 0385 / 54 92 498
E-mail: oeffentlichkeitsarbeit@kzvmv.de


Die Gebißgesundheit der Kinder und Jugendlichen aus Mecklenburg-Vorpommern hat sich weiter deutlich verbessert

Als Mitglied in der Landesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Jugendzahnpflege in Mecklenburg-Vorpommern zeichnete die Kassenzahnärztliche Vereinigung auch 2004 für die 4. Replikationsstudie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) mitverantwortlich. Für die Zahnärzte unseres Bundeslandes sind die Ergebnisse dieser Studie in mehrfacher Hinsicht interessant. In erster Linie dienen sie der Erfolgsbewertung der Gruppenprophylaxe, in der auch zahlreiche Kollegen als Patenschaftszahnärzte aktiv sind, daneben lassen sich aber auch Aussagen zum Sanierungsgrad von Kindern und Jugendlichen unseres Landes treffen und dienen damit einer Einschätzung der Qualität der zahnärztlichen Betreuung.

Wichtigstes Fazit der epidemiologischen Begleituntersuchung aus dem Jahr 2004 ist, dass in Mecklenburg-Vorpommern die Kariesverbreitung bei Kindern und Jugendlichen seit 1995 stetig zurückgegangen ist und wir einen deutlichen Zuwachs an Mundgesundheit verzeichnen können. So wurden bei 6-7jährigen im Milchgebiss durchschnittlich 2,6 kariöse, gefüllte und extrahierte Zähne und im permanenten Gebiss 0,08 DMFT registriert. Der Sanierungsgrad war mit 50% bei den bleibenden Zähnen nicht befriedigend, hier besteht noch Nachholbedarf. Während 1995 nur 20% der Erstklässler primär gesunde Gebisse hatten, waren es 2004 bereits 42%. Wie bei den vorausgegange-nen Untersuchungen 1995,1997 und 2000 ist auch 2004 eine deutliche Polarisation des Kariesbefalls festzustellen. Betrachtet man nur die permanenten Zähne, so hatten von den 1323 untersuchten 6- bis 7jährigen 1252 keine Karies an bleibenden Zähnen, 48 Kinder hatten je 1 erkrankten bzw. gefüllten Zahn, 18 Kinder DFT-Werte zwischen 2 und 4.

Im Jahre 2004 wurden insgesamt 1619 12 Jahre alte Schüler aller Schultypen  untersucht. Bei ihnen konnte ein mittlerer DMFT-Index von 1,42 festgestellt werden. Der DT-Index (decayed = kariös, erkrankte Zähne) lag bei 0,21, der FT (filled = gefüllte Zähne) bei 1,17 und der MT (missing = fehlende Zähne) bei 0,04. Damit bewegte sich der Sanierungsgrad in dieser Altersgruppe bei 85,2% und spricht für eine gute zahnärztliche Betreuung in unserem Land.

Seit 1995 ist damit ein Rückgang der Kariesverbreitung von insgesamt 2,08 DMFT  zu registrieren, denn im Jahre 1995 wurde im Landesdurchschnitt noch ein DMFT-Index von 3,5 ermittelt. Während die 12jährigen Mädchen 2004 einen DMF-T von 1,56 aufwiesen, hatten gleichaltrige Jungen  1,26 DMF-Zähne. 1995 betrug der DMFT-Index bei Jungen noch 3,4 und bei Mädchen 3,7.

Unter Berücksichtigung des von den 12jährigen besuchten Schultyps lässt sich mit 1,02 DMFT bei Gymnasiasten, mit 1,77 DMFT bei Realschülern und 1,94 DMFT bei Hauptschülern eine deutliche Abhängigkeit zwischen Kariesbefall und Schultyp und damit soziodemographischen Faktoren ableiten. Von den 1619 untersuchten 12jährigen wiesen  823 Schüler (50,93%) ein primär gesundes Gebiss auf, wobei Mädchen weniger kariesfreie Gebisse hatten als Jungen.

Erstmalig wurden 2004 auch 2657  Schüler im Alter von 15 Jahren in die Untersuchungen miteinbezogen. Bei ihnen wurde ein durchschnittlicher Kariesindex von 2,9 ermittelt, der DT betrug 0,27, FT= 2,57 und MT= 0,06, dies entspricht einem Sanierungsgrad von 91%, der als sehr gut eingeschätzt werden muss. 15jährige Mädchen hatten mit 3,18 DMFT eine deutlich höhere Kariesprävalenz als gleich-altrige Jungen mit 2,62 DMFT.

Wie schon bei den 12jährigen festgestellt, zeigten 15jährige Hauptschüler mit 4,62 den höchsten Indexwerte, während Realschüler durchschnittlich 3,34 DMF-Zähne aufwiesen und Gymnasialschüler mit 15 Jahren nur 2,25 DMF-Zähne hatten.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass in Mecklenburg-Vorpommern im Jahre 2004 ein statistisch signifikanter, anhaltender Trend eines Rückgangs der Kariesverbreitung in der kindlichen und jugendlichen Bevölkerung nachzuweisen ist. Gegenüber der landesweiten Vergleichsuntersuchung aus dem Jahre 2000 ist z.B.  bei den 12jährigen im Jahr 2004 die Kariesverbreitung bei den permanenten Zähnen insgesamt um 0,53 DMFT niedriger. Die Ursachen dieses „caries decline“ sind sicherlich viel-fältig und komplex. Die Situation im Bereich der Gruppenprophylaxe hat sich weiter verbessert, das angestrebte Ziel, eine Flächendeckung der Gruppenprophylaxe mit zwei Impulsen pro Kind, konnte in vielen Landesteilen erreicht werden.

Aus Sicht der Kassenzahnärztlichen Vereinigung erklärt sich der Rückgang der Kariesverbreitung vor allem auch durch die verstärkte Umsetzung präventiver Maßnahmen, wie z.B. der Fissurenversiegelung, lokaler Fluoridierung etc. im Rahmen von Individualprophylaxe-Programmen in den Zahnarztpraxen sowie durch konsequente  Früherkennung und Frühbehandlung der Karies im Kindes- und Jugendalter. Den Zahnärzten unseres Landes kann ebenfalls eine gute Sanierungsarbeit bescheinigt werden.

Auch wenn die gesamte Entwicklung des Kariesgeschehens in Mecklenburg-Vorpommern sehr positiv einzuschätzen ist, so stellen nach wie vor die Karies-Risikogruppen ein Problem sowohl hinsichtlich der Sanierung als auch der präventiven Betreuung dar. Hauptziel ist die weitere Verbesserung der Gruppenprophylaxe mit Erreichen einer Flächendeckung und verstärkten Orientierung auf Karies-Risikogruppen.
Daneben stellen der verstärkte Ausbau der Individualprophylaxe in den Zahnarztpraxen und die Umsetzung eines Maßnahmenkatalogs zur frühzeitigen Erfassung und zum möglichst frühen Einstieg in die Kariesprophylaxe unter Nutzung des zahnärztlichen Kinderpasses, zur Frühbehandlung und intensivprophylaktischen Betreuung besonders von Kariesrisiko-Kindern in allen Altersstufen Schwerpunktaufgaben dar, wozu eine regelmäßige Inanspruchnahme von Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen beiträgt. Nach wie vor bleibt die komplexe zahnärztliche Sanierung des Milchgebisses, darunter besonders von Kindern mit dem Nursing Bottle Syndrom, ein wichtiges Anliegen.

Wenn man das hohe Ausgangsniveaus der Kariesprävalenz in Mecklenburg-Vorpommern in den 80ziger und 90ziger Jahren bedenkt, so stimmen die vorliegenden Ergebnisse und Entwicklungstendenzen optimistisch und sollten Anlass sein, sich sowohl in der Zahnarztpraxis im Rahmen der Individualprophylaxe und Frühbehandlung als auch in der Gruppenprophylaxe noch mehr als bisher zu engagieren.

Prof. Dr. Sabine Fröhlich

(Auszüge aus dem Gutachten im Auftrage der Landesarbeitsgemeinschaft
zur Förderung der Jugendzahnpflege in M-V e.V.)




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KZV Mecklenburg-Vorpommern
Letzte Änderung: 06. Juli 2005