Die Gesundheitssysteme in der EU harmonisieren - das dauert noch lange!

Experten beim Bayerischen Apothekertag waren skeptisch

DEGGENDORF (sil). Wird es in absehbarer Zeit ein einheitliches europäisches Gesundheitssystem geben? Bei einer Podiumsdiskussion beim Bayerischen Apothekertag in Deggendorf beschäftigten sich Experten mit der Frage, ob zusammenwachsen könne, was noch nicht zusammen passe. Sie kamen zu einer skeptischen Prognose.

Auf die Schwierigkeiten einer Vereinheitlichung der sozialen Sicherungssysteme - also nicht nur der Kranken-, sondern auch der Arbeitslosen- und Rentenversicherung - hatte bereits vor 15 Jahren der damalige Präsident des Bundessozialgerichts, Professor Heinrich Reiter hingewiesen: Um die Leistungen in den damals zwölf Staaten der Gemeinschaft auf das deutsche Niveau zu heben, hätte man das Dreifache des Bundesetats benötigt. Angesichts der bevorstehenden EU-Erweiterung von 15 auf über 20 Staaten wäre dieses Vorhaben noch teurer. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer darin: Diese Absicht wird vorerst auch an den unterschiedlichen Sozialversicherungssystemen scheitern.

Professor Günter Neubauer von der Bundeswehr-Universität München gab zu bedenken, daß der EU-Gesundheitsmarkt keineswegs einheitlich sei. Manfred Renner von der Sanacorp-Pharmahandel AG prognostiziert angesichts einer fehlenden gemeinsamen EU-Gesundheitspolitik weniger ein Zusammenwachsen als eher "Verwachsungen".

Nach Ansicht von Rechtsanwalt Lutz Tisch von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände wird die EU-Erweiterung die Unterschiede zwischen den nationalen Märkten weiter vergrößern. Er riet, mit der Harmonisierung zu warten, "bis die Voraussetzungen dafür geschaffen sind."

Die Diskussionsteilnehmer stimmten mit der Europaabgeordneten Ursula Schleicher überein, daß auch in einer größeren EU eine "Gesundheitspolitik zwischen Notwendigem und zusätzlich Möglichem" betrieben werden müsse. Man dürfe nicht voreilig etwas regeln, "was im Endeffekt allen Beteiligten Nachteile bringt".

Fazit der Veranstaltung: Auf ein einheitliches europäisches Gesundheitssystem muß man noch lange warten. Keiner der Experten wagte in Deggendorf eine Prognose, wie lange der Weg dorthin noch dauern wird.


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Letzte Änderung: 29. December 2003