Verunsicherte Patienten - wer trägt Verantwortung?

"Es sollte endlich Schluss sein mit der permanenten Verunsicherung von Patienten", lautet die Forderung von Professor Dr. Friedrich-Wilhelm Kolkmann, Chef der Landesärztekammer Baden-Württemberg. Er reagierte damit auf Ergebnisse einer vor kurzem vorgestellten Versichertenbefragung des Verbandes der Angestellten-Ersatzkassen (VdAK).

Der Verband der Ersatzkassen präsentierte die Umfrageergebnisse, derzufolge bei Patienten eine "wachsende Verunsicherung in bezug auf die Qualität der Versorgung besteht", so der VdAK. Kolkmann reagierte heftig auf die Umfrage: "Diese Verunsicherung wird von Politik und Krankenkassen bewusst geschürt, um von der Tatsache abzulenken, dass dem Gesundheitswesen nicht genügend Ressourcen für die Versorgung zur Verfügung gestellt werden", so sein Vorwurf.

Nach Kolkmanns Worten werde die Schuld an dieser untragbaren Situation den Ärzten zugeschoben. Tatsächlich sei es aber ein Verdienst der Ärzteschaft, dass die Versorgungsqualität trotz knapper Ressourcen überwiegend gut ist.

Denn die Versorgungsqualität im Gesundheitswesen hänge auch von der Qualität der Pflege- und weiterer Gesundheitsberufe ab. Der Kammerpräsident: "Die Gewerkschaft Verdi  habe es bis heute nicht geschafft, in den Krankenhäusern für akzeptable Arbeitsbedingungen zu sorgen."

Ein weiteres Ergebnis der Befragung war: 70 Prozent der Versicherten erwarten Therapieempfehlungen, 60 Prozent wünschen sich eine Beratung über geeignete Medikamente bei bestimmten Krankheiten von ihrer Krankenkasse. Ferner sollten sich Ärzte zu regelmäßiger Fortbildung verpflichten und die Behandlung müsse nach den neusten wissenschaftlichen Standards erfolgen.

Dazu Kolkmann: "Die Krankenkassen müssen keineswegs ärztliche Aufgaben übernehmen. Jeder Patient kann heute schon eine qualifizierte ärztliche Zweitmeinung einholen."

Qualifizierte Patientenberatung sei eine ureigene Aufgabe der Ärzteschaft, nicht der Krankenkassen. Nach Kolkmanns Worten bedürfe es auch keines gesonderten Fortbildungszwangs für Mediziner. Alle Ärzte seien durch die ärztliche Berufsordnung zu lebenslanger und berufsbegleitender Fortbildung verpflichtet.

Ärztliche Behandlung erfolge immer schon nach dem aktuellen medizinischen Wissensstand. Das erboste Fazit des Präsidenten: "Wer durch entsprechend formulierte Umfragen das Gegenteil suggeriert, gefährdet das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. Das kann nicht im Interesse des VdAK liegen." (mm)


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KZV Mecklenburg-Vorpommern
Letzte Änderung: 09. January 2004